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Theater Bagage

Das Tourneetheater für die Pfalz

Heiraten ist immer ein Risiko - Kritik

Zeitungslogo

Ausgabe vom 14. 06. 1999

Vergiftete Pilzsuppe

Premiere des Theater Bagage in Maudach



"Heiraten ist immer ein Risiko", eine Kriminalkomödie mit trocken bizarrem, britischem Humor von Saul O'Hara ist die zweite Produktion von Theater Bagage. Sie startete am Freitag abend im Gemeinschaftshaus Maudach, bereit, überall hinzukommen, wo man sie sehen will.

Der junge Inspektor Harri Darick (Jürgen Walter im grauen Regenmantel und mit Pfeife) hat seinen Ehrgeiz darein gesetzt, den Witwer Stefan Graf und die Witwe Inga Fuchs zu entlarven. Beide haben jeweils sechs Lebenspartner durch tragische Unglücksfälle verloren - und beerbt. Die wieder einsamen Herzen fühlen sich nun zueinander hingezogen. Sie heiraten, und schon arbeitet das glückliche Paar daran, sich gegenseitig um die Ecke zu bringen. Hans-Peter Michel ist ein skrupellos geriebener Stefan Graf im Schafspelz des gemütlichen Biedermanns. Trudel Kauffmann die auch Regie führte, ist eine zuckersüße Heuchlerin. Welch ein Vergnügen, wenn sie sich gegenseitig bei der Pilzsuppe belauern, von der jeder annimmt, daß er sie vergiftet hat. Siegfried Kralik ist dieser immer emotionslose, dienstergebene englische Butler, der alles hört, sieht und weiß; der wegräumt und zur Stelle schafft und dabei steif dasteht wie ein Stock. Er greift auch unbemerkt ein, wo es nottut, und in diesem Haushalt tut ständig etwas not.

Die Truppe ohne feste Spielstätte hat eine umfangreiche Salonausstattung zusammengebracht. Da sind nicht nur die beiden raffinierten Mörder, die jeder im anderen einen ebenbürtigen Meister begegnet. Ein häufiger Gast des Hauses ist Heidi Immenhof, die ein privates Heim für schwer erziehbare Mädchen leitet. Christine Wiebauer gibt sie als eine betuliche, gutmütige Naive, die ständig Geldsorgen hat und daher nicht so viel Gutes tun kann wie sie möchte; zum Beispiel ihren Buttler behalten und den idealistischen, etwas bizarren Pädagogen Lemmele (Christian Reif) bezahlen. Ihre schwer erziehbaren Mädchen möchten die beiden jungen gut aussehenden Männer auch gerne behalten oder viel mehr für sich haben. Cindy (Katrin Kunkel) ist eine putzige Kleptomanin im rustikalen Dirndl; Toni (Sabine Kauffmann) eine rotzige Straßengöre. Bei solchem Personal kann der Spaß nicht ausbleiben. Jede Figur ist für sich genommen eine komische Nummer, sogar der Bilderbuchinspektor, der seine Pfeife schwenkend scharfsinnig kombiniert, ohne daß etwas Nennenswertes dabei herauskommt. Wenn die Figuren miteinander in Berührung kommen, fliegen Funken, die mit pointierten Dialogen unterlegt sind.

Das Ensemble zeigt sich seinem Vorhaben, unterhaltsames, spritziges Boulevardtheater auf die Bühne zu bringen, voll gewachsen. So hat denn Ludwigshafen eine weitere freie Theatergruppe bekommen, die sich ihre Nische in der Theaterlandschaft sucht.

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